Am Montagmorgen haben Unbekannte eine Polizeiwache in Berlin-Friedrichshain mit Brandsätzen und Pflastersteinen attackiert. Daraufhin wird in Berlin erneut eine Debatte über Linksextremismus geführt, bevor die TäterInnen gefasst und Aussagen über ihre Motive getroffen werden können.
Der feige Anschlag in Friedrichhain ist inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen. Zurecht wird momentan vom Staatsschutz wegen versuchten Mordes ermittelt. In einigen Meinungsbeiträgen dazu, wird jedoch „linkextreme Gewalt“ und Rechtsextremismus gleichgesetzt. Dies kann ich nicht nachvollziehen.
Denn Rechtsextreme lehnen Menschenrechte und Demokratie offen ab. Seit 1989 wurden etwa 150 Menschen durch rechtsextrem motivierte Gewalt getötet, weil sie nicht in das menschenverachtende Weltbild der Rechtsextremen passten. Diese Zahl macht deutlich, wie ernst das Rechtsextremismusproblem in Deutschland ist. Auch in Berlin haben sich in letzter Zeit rechtsextreme Straftaten gehäuft: Vereine, Initiativen und Büros demokratischer Parteien wurden zur Zielscheibe der extrem Rechten. Menschen, die sich öffentlich dagegen positionierten, erhielten Morddrohungen per Post in ihre Privatwohnungen geschickt.
Eine Gleichsetzung von Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus verkennt für Berlin das ungleich höhere Gewaltpotential der Rechtsextremen. Diese Gleichsetzung ist genauso gefährlich, wie die Nennung von Drittem Reich und DDR in einem Atemzug, wenn es um die deutsche Geschichte geht. Rechtsextremismus und Nationalsozialismus werden damit verharmlost und relativiert.
Bündnis 90/Die Grünen lehnen gewalttätige Übergriffe gegen Personen und Sachbeschädigungen ab. Wir dulden weder brennende Autos noch fliegende Steine. Hier muss man aber genau hinsehen. Die Frage ist, ob Sachbeschädigungen unsere Demokratie in gleichem Maße gefährden, wie gewalttätige Übergriffe auf Menschen, denen seitens der Rechtsextremen aufgrund von Herkunft oder sexueller Orientierung schlicht das Lebensrecht abgesprochen wird.
Rechtsextreme predigen und praktizieren Hass und Gewalt gegen anders Aussehende, Lebende oder Liebende. Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob Menschen ins Koma getreten werden, wie zuletzt am S-Bahnhof Frankfurter Allee geschehen, oder ob Farbbeutel gegen Häuserwände geworfen werden oder das Bethanien besetzt wird.
Diese Gleichsetzungslogik bekommen die Initiativen und Bündnisse vor Ort, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder andere Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit engagieren, direkt zu spüren. Oft werden sie als „linksextrem“ und „verfassungsfeindlich“ gebrandmarkt. Der Vorstoß von Ministerin Schröder, dass künftig alle Initiativen, die künftig Geld aus den Programmen gegen Rechtsextremismus erhalten wollen, eine „Demokratieerklärung“ unterzeichnen sollen, geht in genau diese – die falsche – Richtung.